Berlin - Ende der 90er Jahre hat die Berliner Band Bell Book & Candle ihren Welterfolg «Rescue Me» noch vor Zehntausenden Zuschauern gespielt. Inzwischen ist es ruhiger geworden um Sängerin Jana Groß und die Puhdys-Söhne Hendrik Röder und Andy Birr.
Nach der Trennung von ihrer großen Plattenfirma BMG vor einigen Jahren versuchen sie nun, mit einem eigenen Label in die Erfolgsspur zurückzukommen. 15 Jahre nach Gründung der Band setzen sie dabei auf Altbewährtes: Ihr aktuelles Album «3 Days Under Pressure» ist eine Art «Best of» als Akustik-Version.
Bei den Liedern sind die Einflüsse von Sängerinnen wie Alanis Morissette deutlich spürbar. Und so ist das Album eine seltsam nostalgische Zeitreise in vergangene Klangwelten der späten 90er Jahre. An diesem Donnerstag feiert die Band mit einem Konzert in Berlin ihr 15-jähriges Bestehen.
«Der Erfolg damals kam schnell und hat uns fast überrollt», sagt Sängerin Groß im Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach «Rescue Me» folgten Auftritte vor bis zu 50 000 Zuschauern in Spanien, den USA und England. «Als wir nach Salt Lake City kamen, kannte das Publikum den Text auswendig», erinnert sich Bassist Röder.
Doch so schnell der Aufstieg war, so schnell kam auch der Fall. Sie hätten die volle Unterstützung der großen Plattenfirma BMG verloren, ein Album von 2003 sei schließlich nur noch im Bertelsmann- Buchclub erschienen, sagt die 40-jährige Groß. Nach der Trennung von BMG kamen die Musiker mit Auftragsarbeiten über die Runden. Sie schrieben Songs für andere Bands und das Fernsehen, darunter die ARD- Serie «Das Beste aus meinem Leben» oder für den Kinderkanal Ki.Ka.
2005 erschien ihr fünftes Album - das erste Album in eigener Produktion. In diesem Jahr tourten sie durch kleinere deutsche Hallen. Wann die Arbeiten für ein Album mit neuen Liedern losgehen, sei nicht klar, sagt Sängerin Groß. «Das kann nächste Woche sein oder nächstes Jahr.»
Für das Konzert im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei hatten sich als Gäste Musiker von den Prinzen und den Puhdys angekündigt - immerhin sind die Puhdys-Bandmitglieder Dieter Birr und Peter Meyer die Väter von Andy und Hendrik. Doch als Puhdys-Sohn auf der Bühne zu stehen, sei «Fluch und Segen zugleich», sagt Bassist Hendrik Röder. «Das begleitet mich schon mein ganzes Leben.» Immer wieder heiße es, «Ah, die Söhne von den Puhdys». Inzwischen sei er mit seinen 43 Jahren aber gelassen geworden. «Da lacht man dann drüber.» Zumal die englischsprachige Musik von Bell Book & Candle sich von den (ost)deutschen Puhdys-Liedern ja stark unterscheide.